Instrument üben mit wenig Zeit

Ein Instrument zu spielen bringt viel Freude und eröffnet neue Dimensionen, in die man eintauchen, sich entfalten und ausdrücken kann. Die Musik zu lernen und mit anderen zu spielen, gibt viel Freude. Daher entscheiden sich viele Menschen, ein Instrument zu lernen und ihren Traum zu verwirklichen.

Häufig stößt die Beschäftigung mit dem Instrument jedoch zeitlich an Grenzen. Andere Dinge wie die Arbeit und Familie sind natürlich wichtiger und so stockt der Lernprozess und Frust entsteht.

Damit auch mit wenig Zeit die Freude am Instrument erhalten bleibt, gibt es einige Tipps, wie man dennoch Weiterentwicklung auf dem Instrument schafft.

Was möchte ich erreichen?

Die erste Frage ist, welchen Anspruch ich habe. Meine Übestrategie ist völlig unterschiedlich, wenn ich weiterkommen möchte und in einer Band spielen möchte, als wenn das aktuelle Niveau erhalten bleiben soll und es für mich ausreicht, alleine für mich selbst zu spielen.

Meine Erfahrung ist jedoch, dass gerade das Spiel mit anderen stark motiviert. Außerdem macht die Band Spaß, daher halte ich dieses Ziel grundsätzlich für erstrebenswert.

Anschließend ist es sinnvoll, zu klären, welche Aspekte wichtig sind. So ist es für mich wichtig, auf dem Saxophon einen guten Sound zu haben. Denn mit einem guten Sound brauche ich nicht schnell oder ausgefeilt spielen zu können, um die Zuhörer anzusprechen. Außerdem möchte ich micht technisch weiterentwickeln und schöne Solos auf Jazz-Standards spielen können.

Überoutine

Über eine längere Zeit hatte ich 20 Minuten täglich Zeit um zu üben: Nach der Arbeit und vor dem Abendessen mit den Kindern war nicht mehr Platz, und so musste ich meine Übestrategie der Zeit anpassen.

Mit ca 6 Minuten für die 3 Themen habe ich es dennoch geschafft, mich kontinuierlich (wenn auch langsam) weiterzuentwickeln:

Meine Erfahrung ist dabei, dass 20 Minuten täglich wesentlich effektiver sind als 2x pro Woche 70 Minuten, auch wenn die Netto-Zeit dieselbe ist… Die Aufgabe ist es daher, diesen Raum im Alltag zu schaffen und eine Überoutine zu entwickeln.

Durch die knappe Zeit ist der Fokus sehr wichtig: Sobald ich mich ablenken lasse und ohne Ziel spiele, verliere ich die Zeit, die ich für das Üben benötige.

Übungen

Technikübungen kombiniere ich immer mit Tonmaterial, das ich auch für die Improvisation nutzen kann. Daher übe ich als Einstieg in meine Übesession in der Regel Tonleitern auf eine Weise, die im Solo sinnvoll einsetzbar sind, das heißt ich übe sie in Intervallen und Sequenzen.

Besonders interessant sind für mich zum Bespiel Sequenzen auf alterierten Skalen und Pentatoniken, die auf Terzsprüngen basieren. Diese ergeben interessante Kombinationen von Intervallen und insbesondere Quarten. Diese Sequenzen habe ich durch Experimentieren gefunden und nach und nach in mein Übeprogramm aufgenommen.

Proberaum

Gerade wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, finde ich es essenziell, zuhause üben zu können. Ich habe schon bei der Wohnungsbesichtigung angekündigt, dass ich ein Instrument spiele und mir so das Ok der Vermieter geholt – mit den Nachbarn war ich im Austausch und habe fast immer positive Rückmeldungen bekommen und Bestärkung, weiter zu üben. So konnte ich ohne schlechtes Gewissen und mit Fokus auf die Musik effektiv üben.

Wenn ich beruflich unterwegs war, hatte ich in der Regel mein Saxophon dabei und habe im Hotel nach abgelegenen Räumen gefragt. Häufig hatten die Hotels einen Konferenzraum, der gut isoliert und ungenutzt war, sodass ich abends üben konnte. Bei schönem Wetter habe ich gute Erfahrungen mit dem Üben auf freiem Feld gemacht.

Die Kreativität bei der Suche nach Übungsräumen hat mir oft geholfen, zusätzliche Übemöglichkeiten zu finden und Zeit zu gewinnen.

Lehrer

Impulse von außen halte ich für extrem wichtig, um Inspiration zu bekommen und Anregungen, was ich üben kann. Angebote sind heute sehr vielfältig: Je nach Zeit, finanziellen Möglichkeiten und Interesse gibt es Privatstunden bei Lehrern, Workshops, Kurse, etc.

In den ersten Jahren haben mich verschiedene Lehrer begleitet und mir gute Hinweise gegeben, was ich sinnvoll üben kann. Seit einigen Jahren gehe ich 1x im Jahr auf einen 1-wöchigen Workshop, wo ich mir Impulse und Ideen hole, was der nächste Schritt für mich ist. Ergänzend nutze ich Online-Workshops um gezielt Input zu bestimmten Themen (Beispielsweise Vom-Blatt-Lesen) zu bekommen.

Unglaublich wichtig ist es, Musik zu hören: Durch das Hören wird die Vorstellung für die Musik erweitert, was wiederum dem eigenen Spiel zugute kommt.

Spaß haben

Die Musik ist für mich ein Hobby, das Spaß machen soll und daher möchte ich in den 20 Minuten etwas unterbringen, das mich für einen stressigen Tag und die anstrengenden Tonleiterübungen belohnt. Für mich ist das die Improvisation, wo ich in der Regel zu einem Playalong Solos spiele und mich an der Musik freue.

Weitere Anregungen

Das Thema Üben ist bei allen Musikern präsent und so gibt es eine Reihe von Unterlagen, Ideen, Workshops zum Thema:

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